Gold oder Silber: was die Tests messen und was nicht

Zwei baugleiche Ringe nebeneinander auf beigem Leinen, einer goldfarben, einer silberfarben, dahinter dieselbe Kette in beiden Tönen. Alle Oberflächen sind unbeschädigt.

bLvon byLamari Redaktion·27. August 2026·⏱ 7 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Zwei Tests kommen immer wieder vor: die Adern am Handgelenk ansehen und ein weißes Blatt Papier ans Gesicht halten. Beide behaupten, aus einem sichtbaren Merkmal folge die passende Metallfarbe. Beim Adern-Test lässt sich nachlesen, wovon dieses Merkmal abhängt: von Streuung und Absorption der Haut, vom Sauerstoffgehalt des Blutes, von Durchmesser und Tiefe des Gefäßes und von der Wahrnehmung. Die Haut ist darunter. Ein Hautunterton kommt in der Arbeit an keiner Stelle vor. Damit ist die Regel „Gold zu warm, Silber zu kühl“ nicht widerlegt. Sie ist unbelegt.

Gold oder Silber, was passt zu mir? Wer danach sucht, findet Tests: zwei Handgriffe, dann steht das Ergebnis. Wir haben nachgesehen, worauf sie beruhen und was sich davon belegen lässt.

Was wir zu unseren eigenen Stücken sagen können und was nicht, steht weiter unten.

Ringe aus Edelstahl 316L ansehen

Was die Tests behaupten

Der Ratgeber des Juweliers CHRIST beschreibt den Adern-Test so: „Schimmern deine Adern grünlich, weist das auf einen warmen Hautunterton hin: Goldschmuck schmeichelt dir besonders.“ Und weiter: „Der Adern-Test zeigt, dass deine Adern eher bläulich oder violett aussehen? Dann gehörst du zu den kühlen Typen, denen oft Silberschmuck am besten steht.“ Ein dritter Ausgang ist dort ausdrücklich vorgesehen: „Ist die Farbe deiner Adern nicht eindeutig zuzuordnen, hast du vermutlich einen neutralen Teint und kannst nahezu alle Metallfarben tragen.“

Der zweite Test geht mit einem weißen Blatt Papier, das man neben das ungeschminkte Gesicht hält. Wirkt die Haut daneben gelblich oder pfirsichfarben, soll das für warm sprechen, rosa oder bläulich für kühl, gräulich oder oliv für neutral.

Dahinter steht ein älteres System. Auf den Maler Johannes Itten geht die Idee zurück, subjektive Farbvorlieben den vier Jahreszeiten zuzuordnen; sein Buch „Kunst der Farbe“ erschien 1961. Zur Personentypologie ausgebaut wurde das erst später, unter anderem von Suzanne Caygill, und 1980 machte Carole Jackson mit „Color Me Beautiful“ ein Massenphänomen daraus. Die gleichnamige Marke formuliert die Metallregel bis heute so: „Silver tends to flatter cool undertones, while gold complements warm undertones. If both look equally good, you may be neutral.“

Eine klare Ansage. Die Frage ist, ob der Test davor misst, was er messen soll.

Was die Adernfarbe laut Forschung anzeigt

Warum Venen bläulich aussehen, obwohl das Blut darin rot ist, haben Kienle und Kollegen 1996 in Applied Optics untersucht. Sie nennen vier Faktoren: die Streuung und Absorption der Haut bei verschiedenen Wellenlängen, den Sauerstoffgehalt des Blutes, Durchmesser und Tiefe des Gefäßes sowie die Wahrnehmung des Auges.

Der Mechanismus ist ein anderer, als man vermutet. Die Arbeit hält fest: „The reason for the bluish color of a vein is not greater remission of blue light compared with red light; rather, it is the greater decrease in the red remission above the vessel compared to its surroundings than the corresponding effect in the blue.“ Entscheidend ist also der Unterschied zur Haut daneben, nicht ein Absolutwert. Blaues Licht dringt weniger tief ein als rotes, und sauerstoffarmes Venenblut schluckt im roten Bereich mehr als arterielles.

Und dann ist da die Geometrie. Die Arbeit referiert, „a small vessel will look red when close to the surface“, hält aber dagegen: „However, if a superficial vessel is large it can still look bluish, particularly in the case of the vein.“ Und liegt ein Gefäß tief genug, sieht man es gar nicht.

Die Haut steckt in Faktor eins mit drin, das gehört dazu. Wer am Handgelenk abliest, liest damit ab, was die Arbeit auflistet: wie die Haut Licht streut, wie sauerstoffarm das Blut ist, wie tief und wie dick die Vene dort liegt und wie das Auge das verrechnet. Ein Hautunterton ist in dieser Liste nicht vorgesehen.

Der Test, der sich selbst beantwortet

Es gibt einen zweiten Grund, misstrauisch zu sein. Dieselbe Seite, die die Metallregel aufstellt, nennt drei Wege, den Unterton zu bestimmen: den Adern-Test, einen Stofftest mit weißem und cremefarbenem Tuch und den „Jewelry Test“, der so lautet: „Does silver jewelry make your skin glow, or does gold bring out your best?“

Wer den Unterton so bestimmt, hat die Antwort schon gegeben, bevor die Regel greift. Der Schmucktest fragt nach dem Ergebnis und liefert es als Voraussetzung zurück. Das entwertet den Stofftest nicht. Es heißt nur: Als Beleg für die Regel taugt der dritte Test nicht.

Wie Hautton tatsächlich gemessen wird

Der Hautton ist keine Erfindung. Er lässt sich messen, nur eben nicht am Küchentisch. In der Dermatologie geschieht das mit Spektralphotometern und Kolorimetern, die die Haut im CIELAB-Farbraum beschreiben. Daraus wird der Individual Typology Angle berechnet: ITA° = arctan[(L*−50)/b*] × 180/π, also aus der Helligkeit L* und der Gelb-Blau-Lage b*. Die Skala reicht von „very light“ oberhalb 55° bis „dark“ unterhalb −30°.

Zum bloßen Hinsehen schreibt die Übersichtsarbeit im Journal of Investigative Dermatology, aus der diese Angaben stammen: „The evaluation and perception of skin color are often subjective.“ Genau deshalb gibt es die Geräte.

Nur folgt aus einem ITA-Wert keine Metallfarbe. Die Übersichtsarbeit zählt auf, wofür die Messung eingesetzt wird: Hauttypbestimmung, Melaningehalt, Phototherapie, die Wirksamkeit von Arznei- und Kosmetikprodukten, Krankheitsverläufe, Hautkrebsrisiko. Eine Zuordnung zu Schmuckfarben ist nicht darunter, und für diesen Schritt haben wir keine Untersuchung gefunden.

Dasselbe Stück, zwei Lichter

In den Tests fehlt, was beim Anprobieren viel ausmacht: das Licht. In der Farbmessung wird es deshalb festgelegt. Die Normlichtart A steht für Glühlicht mit rund 2856 Kelvin, D65 für mittleres Tageslicht mit rund 6504 Kelvin. Ein Messgerätehersteller beschreibt die Folge an einem Alltagsbeispiel: „An apple, for example, may appear redder under incandescent light than it would under natural daylight.“ Und zwei Dinge, die unter einer Lichtquelle gleich aussehen, können sich unter einer anderen unterscheiden. Das nennt sich Metamerie.

Für die Schmuckfrage heißt das: Unter Kunstlicht siehst du eine andere Farbe als am Fenster, und zwei Oberflächen müssen unter beiden Lichtquellen nicht denselben Abstand zueinander haben. Wer im Laden vergleicht, vergleicht die Beleuchtung mit.

Was stattdessen hilft

Wir haben keinen besseren Test anzubieten, nur ein pragmatischeres Vorgehen. Sieh dir beide Varianten desselben Modells am Fenster an, bei Tageslicht und ohne den Rest des Schmucks. Und halte sie gegen das, was du ohnehin täglich trägst: Uhr, Brille, Ehering. Wer den Ton nimmt, den er schon am Handgelenk hat, muss später weniger kombinieren.

Auch der CHRIST-Ratgeber, der eine Tabelle mit vier Jahreszeitentypen aufstellt, endet übrigens genau dort: „Natürlich darf jede:r tragen, was gefällt. Die Tipps zu Hautunterton und Farbwirkung sind eine hilfreiche Orientierung, aber wenn du dich mit einem Schmuckstück wohlfühlst, steht es dir auch gut!“

Vier Dinge, bevor du dich festlegst:

  • Bei Tageslicht ansehen, nicht unter Lampenlicht.
  • Beide Varianten desselben Modells nebeneinander halten, nicht nacheinander.
  • Gegen das prüfen, was du täglich trägst.
  • Unschlüssig? Du hast 14 Tage Widerrufsrecht, auch wenn dir nur die Farbe nicht gefällt. Die Frist beginnt, wenn das Paket bei dir ankommt, nicht wenn du bestellst; das Rückporto trägst du. Ein gesetzliches Umtauschrecht gibt es nicht.

Die eine Frage, an der die Farbe wirklich hängt

Eine Sache lässt sich über die Farbwahl belegen, und sie betrifft nicht dich, sondern das Stück: Goldfarben auf Edelstahl ist eine Schicht über dem Metall. Ob unsere silberfarbenen Varianten unbeschichtet sind, hat uns unser Lieferant bis heute nicht bestätigt. Was daraus für den Alltag und für den Kauf folgt, steht in Gold und Silber kombinieren und, für die Beschichtung selbst, in Wasserfeste Ketten in Gold.

Welche der beiden Fragen dir wichtiger ist, bleibt deine Entscheidung. Beantworten lässt sich nur diese.

In eigener Sache

Zum Stand vom 27. August 2026: Wir führen 109 aktive Artikel, 54 davon gibt es in Gold und in Silber. Eine Volltextsuche über alle 109 findet für „Hautton“, „Farbtyp“, „Unterton“, „Teint“ und „Hauttyp“ jeweils null Treffer. Die Frage stellen wir auf den Produktseiten also gar nicht.

Was wir offenlegen müssen: 21 Ringe nennen inzwischen das Verfahren und heißen „PVD-vergoldeter Edelstahl“. Die übrigen 88 Artikel nennen keines. Zur Dicke der Schicht findet dieselbe Suche ebenfalls nichts: weder „Schichtdicke“ noch „Karat“, „Mikrometer“ oder „Mikron“. Die entsprechende Anfrage bei unserem Lieferanten ist weiterhin unbeantwortet.

Dazu Produkttexte, die nur eine Farbe nennen, obwohl beide bestellbar sind: Golden Bead Ring und Wave Glow Ring sprechen nur von vergoldetem Edelstahl, beim Rose Medallion steht umgekehrt „aus blankem Edelstahl statt vergoldet“. Diese drei Fälle haben wir am 14. August benannt und zugesagt anzugleichen; sie stehen bis heute offen. Bei der Recherche zu diesem Artikel ist ein vierter dazugekommen: Der Greta Ring nennt ebenfalls nur vergoldeten Edelstahl. Wir kündigen hier bewusst keinen neuen Termin an, solange die älteren Punkte offen sind.

Häufige Fragen

Sagt die Farbe meiner Adern etwas über meinen Hautton?

Nicht in der Form, die der Test unterstellt. Die Streuung und Absorption der Haut ist nach der Untersuchung von Kienle und Kollegen einer von vier Faktoren; die drei anderen sind Sauerstoffgehalt des Blutes, Durchmesser und Tiefe des Gefäßes und die Wahrnehmung. Eine Verbindung zum Hautunterton stellt die Arbeit nicht her.

Ändert sich meine Schmuckfarbe, wenn ich braun werde?

Der gemessene Wert kann sich ändern. Die Übersichtsarbeit hält fest, dass sonnenexponierte und stärker pigmentierte Haut niedrigere L*-Werte zeigt als sonnengeschützte, und „tan“ ist auf der ITA-Skala eine eigene Stufe. Nur folgt daraus genauso wenig eine Metallfarbe wie vorher. Wenn dir im Sommer der andere Ton besser gefällt, ist das ein guter Grund, ihn zu tragen. Nur eben kein gemessener.

Was, wenn mir beide Töne gefallen?

Dann nimm beide. Die Gold- und die Silbervariante desselben Modells kosten bei uns gleich viel, für die Farbe zahlst du also keinen Aufpreis. Eine Ausnahme gibt es: Bei den Aurelia Ohrringen kommt eine dritte Variante „Mix“ hinzu, die 22,90 € statt 19,90 € kostet. Was das Kombinieren am selben Handgelenk für die Oberflächen bedeutet, steht in Gold und Silber kombinieren.

bL

byLamari Redaktion

Schmuck-Ratgeber

Wir verkaufen Schmuck aus Edelstahl 316L und schreiben hier auf, was wir zu unseren eigenen Stücken belegen können und was nicht. Wo uns Angaben fehlen, sagen wir das.

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  • Grundmaterial 316L, rostfrei und wasserfest
  • Die goldfarbenen Modelle sind beschichtet
  • Gold und Silber kosten dasselbe

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