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← Schmuck-Ratgeber: wasserfester Schmuck und Edelstahlschmuck erklärt

Schmuck im Ultraschallreiniger: warum die entscheidende Angabe nirgends steht

Zwei goldfarbene Ringe auf beigem Leinen: links ein glatter Ring aus einem Stück Metall, rechts ein Ring mit klarem Stein in einer Fassung mit sichtbarem Rand, daneben ein leeres Kärtchen.

MLvon Malik Lamari·2. Oktober 2026·⏱ 7 Minuten Lesezeit

Kurz gesagt: Im Ultraschallbad entstehen und zerplatzen winzige Blasen, und ihre Energie kommt dort an, wo eine Oberfläche nicht durchgehend ist: an Fassungen, Klebestellen, Spalten. Vor dem Bad lohnt deshalb die Frage, aus wie vielen Teilen dein Stück besteht. Diese Angabe machen wir auf unseren eigenen Produktseiten nicht.

Ein Ultraschallreiniger für den Schreibtisch ist schnell gekauft. Was im Becken passiert, lässt sich sauber beschreiben, und was dabei nachgeben kann, auch. Nur über dein konkretes Stück steht nirgends genug. Was wir über unser Sortiment nicht sagen können, steht weiter unten in eigener Sache.

Was im Becken passiert, wenn das Gerät summt

Unter der Wanne sitzen Schwinger, die das Wasser in Druckwellen versetzen. In der Unterdruckphase reißt die Flüssigkeit an winzigen Keimen auf, in der Druckphase fallen diese Hohlräume zusammen. Das heißt Kavitation. Die mechanische Arbeit macht dieses Zusammenfallen dicht an der Oberfläche, ohne Reinigungszusatz läuft es trotzdem nicht: Bandelin schreibt, Wasser ohne jeglichen Zusatz sei für die Beschallung ungeeignet.

Wie der Vorgang aussieht, wenn man ihn als Schaden untersucht, beschreibt eine Arbeit zur Kavitationserosion von Edelstahl aus dem Jahr 2025: Das wiederholte Entstehen und Zusammenfallen der Blasen erzeugt hochfrequente Mikrostrahlen und Druckwellen, die plastische Verformung, Erosionsverschleiß, Rissbildung und am Ende Grübchen in der Oberfläche hervorrufen. Es ist derselbe Vorgang, der Hautfett aus einer Kettengliedfuge holt, nur in anderer Dosis: 20 Kilohertz, 20 Mikrometer Amplitude, das Horn einen halben Millimeter über der Probe, zwei und 24 Stunden lang. Das erzeugt kein Tischgerät.

Die Frequenz spricht nicht für Schmuck. Die beiden Laborgeräte, deren Anleitungen wir ausgewertet haben, arbeiten bei 35 Kilohertz (Bandelin Sonorex) und 37 Kilohertz (Elma Elmasonic S). Je höher die Frequenz, desto kleiner die Blasen: Bei 20 Kilohertz liegt der Durchmesser bei rund 170 Mikrometern, und bei gleicher Energie ist zu erwarten, dass die Scheuerwirkung mit steigender Frequenz milder ausfällt. Dieselbe Quelle nennt 35 bis 45 Kilohertz für breite industrielle Anwendung und empfiehlt für empfindliche Oberflächen 60 bis 80 Kilohertz. Elma warnt ausdrücklich für niedrige Frequenzen. Ein übliches Schmuckbad liegt nicht im schonenden Bereich.

Wo die Energie ankommt

Eine glatte, fehlerfreie Metallfläche hält lange durch, immun ist sie nicht. Die Prüfnorm ASTM G32 beschreibt den Verlauf von Erosion über der Zeit als nichtlinear, vergleicht Werkstoffe miteinander und warnt davor, ihre Ergebnisse unbesehen auf Einsatzbedingungen zu übertragen. Blanker Stahl braucht in solchen Versuchen Stunden, bis der erste Schaden messbar wird, nicht Minuten.

Anders wird es, wo die Fläche nicht mehr durchgehend ist. In einer Übersichtsarbeit zur Kavitationsbeständigkeit von PVD-Schichten ist genau das der Mechanismus: Beim Beschichten im Lichtbogen entstehen winzige Tröpfchen, die später herausfallen und Nadellöcher hinterlassen. Sie wirken als Spannungskonzentratoren, von denen Risse ausgehen, und verkürzen die Zeit bis zum ersten messbaren Schaden. Bei galvanisch abgeschiedenen Schichten entstehen diese Tröpfchen nicht.

Übertragen auf ein Schmuckstück ist jede Grenze so eine Stelle: der Rand, an dem ein Stein in seiner Fassung sitzt, die Klebenaht unter einem Anhänger, das Scharnier einer Klickcreole, die Feder im Karabiner. Den Vergleich Fläche gegen Fuge hat an Schmuck allerdings niemand gemessen. Belegt ist, dass Fehlstellen die Zeit bis zum Schaden verkürzen, und dass ein Stück aus mehreren Teilen mehr davon hat.

Was nicht hineingehört

Das GIA führt für Ultraschallgeräte eine Liste, und sie geht nach Material und Behandlung, nicht nach Härte. Poröse organische Materialien schließt es ganz aus: Perlen, Koralle, Schildpatt, Elfenbein, Muschelkameen, Gagat und Bernstein sollen nie hinein, weil ihnen die Wärme und die Chemikalien in den meisten Reinigungslösungen schaden. Dazu kommen Steine mit gefüllten Rissen bis an die Oberfläche, Steine, die mit Öl, Kunststoff oder Wachs getränkt oder überzogen sind (Smaragd, Lapislazuli, Malachit, Opal), und Steine, deren Farbe durch Hitze verstärkt wurde.

Der Aufbau des Stücks kommt erst im Schlusshinweis vor: Prüfe vor und nach dem Reinigen, ob die Steine fest in ihren Fassungen sitzen. Das Wort nach ist das wichtigere, weil ein Stein, der sich bewegt hat, aber noch liegt, auf dem Weg zum Waschbecken herausfällt. Bei Zweifeln rät das GIA ab. Welche Mittel an Perlen und Klebungen nichts verloren haben, steht in unserem Artikel über Alkohol und Schmuck.

Die Vergoldung: was gemessen ist und was nicht

Der einzige belastbare Befund spricht gegen die naheliegende Vermutung. In der genannten Übersichtsarbeit stieg die Zeit bis zum ersten messbaren Schaden durch eine Beschichtung von 2,7 bis 3,5 Mikrometern an: auf rund 20.000 Sekunden für Titannitrid und 60.000 für Titancarbonitrid, gegen 5.000 Sekunden für den unbeschichteten Lagerstahl. Die harte Schicht hat den Stahl geschützt, nicht geschwächt.

Auf einen Ring übertragbar ist das trotzdem nicht. Die Arbeit untersucht Bauteile für Wasserkraft und Pumpen, die Schichten sind keramisch hart und sitzen auf gehärtetem Stahl, und dieselbe Arbeit nennt Härteverhältnis, Schichtdicke und Haftung als die Größen, an denen die Beständigkeit hängt. Wie dick die Schicht auf unseren goldfarbenen Stücken ist, wissen wir nicht: Wir lassen sie nicht messen, und die Lieferantenauskunft steht aus. Warum wir keine Zahl raten, steht im Artikel über wasserfeste Goldketten.

Was bleibt, ist der Hinweis des Geräteherstellers. Elma schreibt, Ultraschall könne bei längerer Einwirkung und besonders bei niedrigen Frequenzen empfindliche Oberflächen beschädigen, und folgert daraus nicht Verzicht, sondern: Dauer anpassen und die Oberfläche zwischendurch prüfen. Wir gehen weiter und raten bei beschichteten Stücken zur Handwäsche, weil niemand sagen kann, welche Dauer hier noch die angepasste ist.

Was am Gerät wirklich zählt

Frisch angesetzte Reinigungsflüssigkeit ist mit Luft gesättigt, und diese Luft behindert laut Elma die Reinigungswirkung. Beide lassen die Wanne deshalb erst ohne Reinigungsgut laufen, Elma 5 bis 10 Minuten je nach Gerätegröße, Bandelin 10 Minuten für Bäder bis 10 Liter.

Die Temperatur begrenzen beide aus einem Grund, der nicht der Schmuck ist: Über dem Optimum nimmt die Kavitationswirkung wieder ab. Bandelin nennt erfahrungsgemäß 50 bis 60 Grad als bestes Ergebnis und schreibt, darüber lasse die Wirkung nach, Elma rät allgemein von über 80 Grad ab. Mehr Hitze bringt also nicht mehr Reinigung. Und beide verbieten, Teile direkt auf den Wannenboden zu legen, Elma mit der Begründung, dass es das Gerät beschädigen kann.

Bandelin schließt außerdem Chemikalien aus, die Chloridionen enthalten oder abspalten, und nennt dabei einige Desinfektionsmittel, Haushaltsreiniger und Geschirrspülmittel. Welches Spülmittel dazugehört, steht nicht auf der Flasche, und riskiert wird nicht der Ring, sondern die Wanne. Mehr Leistung ist außerdem nicht linear mehr Wirkung: Eine Untersuchung in Applied Acoustics fand, dass die Kavitationsaktivität oberhalb einer gewissen Schallleistung in eine Sättigung läuft; gemessen wird dort allerdings die Kavitationsdosis und nicht die Reinigungswirkung. Bandelins eigene Regel steht in einem Halbsatz und begründet sich mit dem Schonen von Reinigungsgut und Wanne: die Beschallungsdauer so kurz wie möglich, bei hartnäckigem Schmutz notfalls länger.

Wann die Werkstatt die bessere Adresse ist

Eine Werkstatt hat nicht das bessere Gerät, sondern die Lupe davor. Ein Goldschmied sieht, ob ein Stein von Krappen gehalten wird oder in einem Klebebett sitzt und ob ein Verschluss Spiel hat. Keine dieser Angaben steht auf einer Produktseite. Was Reinigen und Polieren kosten und warum Polieren bei beschichteten Stücken wenig bringt, steht in unseren Artikeln über die Kosten einer neuen Vergoldung und über Kratzer im Ring.

Für den Alltag gilt weiter, was ohne Gerät funktioniert und nichts in Hohlräume treibt: lauwarmes Wasser, ein Tropfen mildes Spülmittel, eine weiche Bürste. Die Reihenfolge steht samt Trocknen in unserem Artikel über Edelstahlschmuck reinigen und pflegen.

So gehst du vor

  • Zähl die Teile, nicht das Material: ein Stück aus einem Stück hat die wenigsten Angriffspunkte.
  • Perle, Perlmutt, Muschel, Koralle, Bernstein und Emaille bleiben draußen, unabhängig vom Gerät.
  • Bei Steinen vorher prüfen, ob sie fest sitzen, und hinterher noch einmal.
  • Flüssigkeit erst 5 bis 10 Minuten ohne Schmuck entgasen lassen.
  • Korb benutzen, nie auf den Wannenboden legen, Temperatur niedrig halten.
  • Spülmittel nicht in die Edelstahlwanne, Beschallungsdauer kurz halten.

In eigener Sache

Dieser Artikel stellt eine Anforderung auf, an der unsere eigenen Produktseiten scheitern. Von 108 aktiven Artikeln (55 Ringe, 23 Ohrringe, 21 Ketten, 9 Armbänder) nennen 47 mindestens ein nichtmetallisches Element: Zirkonia (21), Perle (12), Muschel (11), Perlmutt (5), Keramik (2), Emaille (2); zwölf nennen nur allgemein einen Stein, einer eine Einlage, ohne zu sagen, woraus sie ist.

Die Angabe, auf die es hier ankommt, fehlt fast überall: Genau 6 der 108 Beschreibungen sagen etwas zur Fassung, und ein einziger schreibt hin, was den Unterschied macht, nämlich dass der Stein gefasst sitzt und nicht geklebt ist. Ob ein Teil hohl oder massiv gearbeitet ist, sagt keine. Bei 94 von 108 steht zur Reinigung gar nichts.

Zur Beschichtung sagen 20 Produktseiten PVD, eine Schichtdicke nennt keine, und die Auskunft unseres Lieferanten steht weiter aus. Wir kündigen hier bewusst keine Nachbesserung an, weil aus früheren Artikeln noch zwei Zusagen offen sind. Wenn du zu einem Stück wissen willst, ob der Stein gefasst oder geklebt ist, schreib uns, wir sehen nach.

Rein metallisch sind 60 der 108 Artikel. Unkritisch heißt das nicht automatisch: Eine Kette ist aus einem Stück Metall nicht gemacht, und ihr Karabiner hat die meisten Spalten. Am nächsten dran ist ein Ring ohne Einlage, und die stehen unter Ringe.

Häufige Fragen

Darf ein Ring aus Edelstahl in den Ultraschallreiniger?

Wenn er aus einem Stück Metall gebogen ist und nichts daran sitzt, ist der Werkstoff nicht das Problem. Entscheidend sind die Übergänge: ein Stein in einer Fassung, eine Klebestelle, ein hohler Teil. Zu einem vergoldeten Stück haben wir keine Messung gefunden.

Wie lange soll ein Durchgang dauern?

Die Anleitungen nennen keine feste Zeit für Schmuck, sondern den Grundsatz, die Beschallungsdauer so kurz wie möglich einzustellen, um Reinigungsgut und Wanne zu schonen, bei hartnäckigem Schmutz notfalls länger. Also: kurz laufen lassen, nachsehen, im Zweifel wiederholen.

Kann ich Spülmittel als Reinigungsflüssigkeit nehmen?

In der Edelstahlwanne besser nicht. Bandelin schließt Chemikalien aus, die Chloridionen enthalten oder abspalten, und nennt dabei einige Geschirrspülmittel und Haushaltsreiniger. Für die Handwäsche im Waschbecken bleibt ein Tropfen mildes Spülmittel richtig.

ML

Malik Lamari

Gründer von ByLamari

Malik hat ByLamari 2025 gegründet und kümmert sich selbst um die Qualitätsprüfung der Kollektion. Am eigenen Marktstand spricht er direkt mit Kundinnen. Viele ihrer Fragen werden zu Themen in diesem Ratgeber. Mehr über Malik

Quellen: Bandelin Sonorex Digiplus Gebrauchsanweisung; Elma Elmasonic S Bedienungsanleitung; GIA, Ultrasonic Cleaners for Gems; ASTM G32, Standard Test Method for Cavitation Erosion Using Vibratory Apparatus; Metals 2025, 15(11), 1270; Coatings 2020, 10(10), 921; Applied Acoustics 101 (2016) 179 bis 184; Crest Ultrasonics, Ultrasonic Cavitations and Precision Cleaning. Abgerufen am 02.10.2026.

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