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Stainless Steel, Gold Filled, Vermeil: was die englischen Angaben im Schmuckshop bedeuten

ML von Malik Lamari · 14. September 2026, aktualisiert 25. Oktober 2026 · ⏱ 7 Min. Lesezeit
Kurz gesagt: Drei der englischen Angaben auf Schmuckseiten haben eine Zahl hinter sich: Gold Filled, Vermeil und Heavy Gold Electroplate sind in den US-Leitlinien für die Schmuckbranche mit Gewichtsanteil oder Schichtdicke definiert. „Gold Tone“, „Titanium Steel“ und „Stainless Steel“ ohne Zusatz sind dagegen keine Materialaussagen, sie beschreiben eine Farbe oder eine Werkstofffamilie, nicht das Stück in deinem Warenkorb.
Wer goldfarbenen Schmuck vergleicht, liest auf deutschen Produktseiten erstaunlich viel Englisch. Ein Ring ist „18K Gold Plated“, der nächste „Gold Filled“, der dritte „Titanium Steel“, der vierte schlicht „Stainless Steel“. Das klingt nach vier verschiedenen Materialien und nach einer Rangfolge. Tatsächlich stammen die Begriffe aus drei verschiedenen Welten: aus einem amerikanischen Regelwerk, aus einer internationalen Norm und aus dem Marketing. Die brauchbare Sortierung ist deshalb nicht teuer gegen billig, sondern: Steht hinter dem Wort eine Zahl oder nicht? Bei unseren eigenen Produkttexten fällt die Antwort übrigens unangenehm aus, dazu weiter unten mehr.
Belegbasis: die Guides for the Jewelry, Precious Metals, and Pewter Industries der US-Handelsbehörde FTC (16 CFR Part 23), die Norm ISO 10713 zu Goldlegierungsbeschichtungen, die Materialliste der Association of Professional Piercers und Fachhändlerlexika zum deutschen Doublé. Abgerufen am 14.09.2026.
Welche englischen Angaben haben eine Zahl dahinter?
Gold Filled, Vermeil und Gold Electroplate, in der dickeren Form Heavy Gold Electroplate, sind in den US-Leitlinien mit Werten definiert. Das im Handel meistzitierte Regelwerk zu Goldauflagen kommt aus den USA. Die FTC beschreibt darin, wann ein Hersteller welches Wort verwenden darf, und zwar mit Werten.
Gold Filled meint keine galvanische Schicht, sondern eine mechanisch aufgebrachte. Die Auflage muss mindestens ein Zwanzigstel des Gewichts des gesamten Metalls im Stück ausmachen und mindestens 10 Karat haben. Die Karatzahl muss direkt davorstehen, also „14 Kt. Gold Filled“. Mechanische Auflagen zwischen 1/40 und 1/20 des Metallgewichts tragen ihren Bruchteil im Namen, etwa „1/40 12 Kt. Rolled Gold Plate“. Unterhalb von 1/40 ist keiner dieser Begriffe zulässig.
Vermeil ist die einzige der drei Angaben, die auch den Kern festlegt: ein Grundkörper aus Sterlingsilber mit einer Goldauflage von mindestens 10 Karat und einer Dicke von mindestens 2,5 Mikrometern. Liegt zwischen Silber und Gold noch ein unedles Metall wie Nickel, muss das offengelegt werden.
Gold Electroplate bezeichnet die galvanische Auflage. Hier liegt die Mindestdicke bei 0,175 Mikrometern. Das ist etwa ein Vierzehntel dessen, was Vermeil verlangt. Erst ab 2,5 Mikrometern darf ein Stück Heavy Gold Electroplate heißen. Der kürzere Begriff „Gold Plate“ ist dabei doppeldeutig: Er steht in denselben Leitlinien auch für mechanische Auflagen ab 1/40 des Metallgewichts.
„Gold Plated“ und „Gold Filled“ sind damit keine Synonyme, sondern zwei Verfahren mit sehr unterschiedlichem Materialeinsatz. Und die Karatzahl in „18K Gold Plated“ beschreibt die Legierung in der Schicht, nicht ihre Dicke. Ein Stück kann 18 Karat tragen und trotzdem an der untersten zulässigen Grenze liegen.
Eine Regel steht über allen anderen: Das Wort „Gold“ ohne Zusatz gilt nach denselben Leitlinien als irreführend, wenn das Stück nicht durchgehend aus Feingold mit 24 Karat besteht. Alles darunter braucht die Karatzahl davor. Jede Angabe, die „Gold“ mit einem englischen Zusatz kombiniert, beschreibt also von vornherein etwas anderes als massives Gold, auch wenn das Wort optisch im Vordergrund steht.
Das deutsche Gegenstück zu Gold Filled heißt Doublé oder Walzgold: eine Goldauflage, die durch Schweißen oder Warmwalzen aufgebracht wird. Fachhändlerlexika nennen dafür die Nummer DIN 58680 und einen Mindestgoldanteil von 10/1000 für die Stempelung. Eine gültige Norm dieser Nummer ließ sich in den Normenkatalogen nicht nachweisen, verlässlich definiert ist Doublé heute in ISO 10713. Im Modeschmuck begegnet einem das Wort ohnehin kaum noch.
International sortiert die Norm ISO 10713 das Feld. Ihre Ausgabe von 2025 deckt Goldauflagen einschließlich Doublé, Mehrschicht- und Walzgoldauflagen ab und legt Mindestanforderungen an Masse, Dicke und Reinheit fest. Sie ist der Ort, an dem die Fachbegriffe definiert sind, aber sie steht nicht auf der Produktseite.
| Angabe | Was sie über die Schicht sagt | Zahl dahinter | Festgelegt in |
|---|---|---|---|
| Gold Filled | mechanisch aufgebrachte Goldlegierung | mindestens 1/20 des Metallgewichts, mindestens 10 Karat | FTC 16 CFR § 23.3 |
| Vermeil | Goldauflage auf einem Kern aus Sterlingsilber | mindestens 2,5 µm, mindestens 10 Karat | FTC 16 CFR § 23.4 |
| Heavy Gold Electroplate | galvanische Goldauflage | mindestens 2,5 µm | FTC 16 CFR § 23.3 |
| Gold Electroplate | galvanische Goldauflage | mindestens 0,175 µm | FTC 16 CFR § 23.3 |
| Gold Tone, goldfarben | nichts, nur die Farbe | keine | nirgends |
| Titanium Steel | keine genormte Werkstoffbezeichnung | keine | nirgends |
| Stainless Steel, Edelstahl | die Werkstofffamilie, nicht die Sorte | keine | EN 10088-1 definiert die Familie |
Welche Angaben sagen nichts über das Material?
Gold Tone und „goldfarben“ beschreiben ausschließlich die Farbe. Sie sagen nichts über die Schicht, nichts über den Kern und nichts über die Haltbarkeit. Das ist keine Täuschung, solange niemand etwas anderes behauptet: Die Angabe ist nur eben leer.
Titanium Steel suggeriert Titan. Eine genormte Werkstoffbezeichnung ist der Begriff aber nicht: Er taucht weder in den Implantatnormen von ASTM und ISO auf noch in EN 10088-1. Titan hat dort eigene, sehr konkrete Nummern. Die Association of Professional Piercers führt für Titan ASTM F136, ASTM F1295, ISO 5832-3 und ASTM F67, für Stahl ASTM F138 und ISO 5832-1. Genormt sind außerdem titanstabilisierte nichtrostende Stähle, und auch die sind Stahl und nicht Titan. Was in einem konkreten Stück steckt, sagt das Wort also nicht. Ohne Werkstoffnummer solltest du es nicht als Titan behandeln, und wenn ein Ohrloch frisch ist, nach genau dieser Nummer fragen.
Surgical Steel und die wörtliche deutsche Übersetzung davon sind ebenfalls keine Werkstoffangaben, sondern Sammelbegriffe. Die Piercer-Vereinigung schreibt dazu: „Surgical Steel is made of a variety of alloys. Many of them are used for body jewelry, but only a few specific grades are proven biocompatible.“ Warum das Wort trotzdem so verbreitet ist und was stattdessen auf einer Produktseite stehen müsste, haben wir in Läuft Edelstahlschmuck an? ausführlich beschrieben.
Was bedeutet Stainless Steel bei Schmuck?
„Stainless Steel“ ist der häufigste Fall und die englische Entsprechung von Edelstahl, und beides bezeichnet eine ganze Werkstofffamilie mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften. Welche Sorte in einem Ring steckt, steht damit nicht fest. Was die Sorte konkret ändert, von der Korrosionsbeständigkeit bis zur Nickelabgabe, steht in Schmuck aus Edelstahl: was der Werkstoff wirklich ist und was er nicht kann. Die kurze Fassung: Eine Werkstoffnummer ist eine Auskunft, das Wort Edelstahl allein ist keine.
Dasselbe gilt für Zusätze wie „Tarnish-free“, „Waterproof“ oder „Hypoallergenic“. Keiner dieser Werbebegriffe ist in einer Norm definiert. Prüfverfahren gibt es durchaus, für das Anlaufverhalten etwa ISO 4538, für die Nickelabgabe sogar einen gesetzlichen Grenzwert nach REACH Anhang XVII Nummer 27, gemessen nach EN 1811. Nur sagt das Wort auf einer Produktseite nicht, dass danach geprüft wurde. Was bei „wasserfest“ dahintersteckt, haben wir in Wasserfester Schmuck: der ehrliche Ratgeber durchgerechnet, und was bei Nickel dahintersteckt, in Nickelallergie und vergoldeter Schmuck.
Was davon gilt in Deutschland?
Wenig, jedenfalls unmittelbar. Die FTC-Leitlinien sind amerikanisches Recht und binden einen deutschen Shop nicht. Sie sind trotzdem nützlich, weil sie erklären, was die Wörter in ihrer Herkunftssprache bedeuten sollen, und weil international produzierende Hersteller sich daran orientieren.
Für dich als Käuferin ist eine Angabe auf der Produktseite trotzdem verbindlich. Sie ist Teil der Beschaffenheit, die du erwarten darfst, als vereinbarte Beschaffenheit nach § 434 Absatz 2 BGB oder über die öffentlichen Äußerungen des Verkäufers nach Absatz 3. Steht dort „Gold Filled“, ist Gold Filled geschuldet. Was das im Streitfall bedeutet und welche Pflichtangaben seit der Produktsicherheitsverordnung gelten, steht in Wasserfester Schmuck aus der Drogerie.
So gehst du vor
- Suche zuerst die Zahl. Mikrometer, Karat oder ein Gewichtsanteil wie 1/20: ohne eine davon ist die Angabe eine Farbbeschreibung.
- Frage bei Ketten und Ringen nach dem Verfahren, galvanisch oder PVD, und nach der Schichtdicke in Mikrometern.
- Behandle „Titanium Steel“ als Stahl, nicht als Titan, solange keine Normnummer genannt wird.
- Lass dir bei Erstschmuck eine Normnummer geben, ASTM F136 oder ISO 5832-3 für Titan, ASTM F138 oder ISO 5832-1 für Stahl.
- Vergleiche nur Stücke mit derselben Angabe. Gold Filled gegen Gold Plated ist kein Preisvergleich.
In eigener Sache
Dieser Artikel bringt uns in eine unangenehme Lage, und wir schreiben sie lieber selbst hin. Alle 109 aktiven Artikel in unserem Shop nennen als Material „vergoldeter Edelstahl“ oder „PVD-vergoldeter Edelstahl“ (Stand 14.09.2026, ausgezählt über alle aktiven Artikel). Das Wort PVD steht bei 21 Ringen, bei den übrigen 88 Artikeln nicht. Auch diese PVD-Angabe stammt aus den Herstellerunterlagen und ist von uns weder gemessen noch schriftlich bestätigt worden.
Keine einzige unserer Produktbeschreibungen nennt eine Schichtdicke in Mikrometern, eine Karatzahl für die Auflage oder einen Gewichtsanteil. Nach der Systematik, die dieser Artikel erklärt, ist unsere eigene Angabe damit genau das, was wir oben als schwach bezeichnet haben. Dasselbe gilt für das „wasserfest“ in unseren Produkttexten: auch dahinter steht kein Prüfwert, nur der Werkstoff.
Wir haben unserem Lieferanten vier Fragen gestellt: Verfahren, Zwischenschicht, Schichtdicke und ob die silberfarbene Ware beschichtet ist. Die Antwort steht weiterhin aus. Sobald sie da ist, kommen die Werte in die Produkttexte, und dieser Absatz wird ersetzt. Bestätigt sich das Verfahren nicht, ändern wir auch die PVD-Angabe.
Häufige Fragen
Ist Gold Filled besser als vergoldet?
Im Sinne der Materialmenge ja. Gold Filled verlangt mindestens ein Zwanzigstel des Gesamtgewichts an Goldlegierung, eine galvanische Auflage kommt mit 0,175 Mikrometern aus. Beides sind aber Auflagen auf einem anderen Kern, kein massives Gold.
Was bedeutet 18K vergoldet?
Die Zahl beschreibt die Goldlegierung in der Schicht, nicht wie viel davon aufgetragen wurde. Eine dünne Schicht aus 18 Karat und eine dicke aus 14 Karat können in der Haltbarkeit weit auseinanderliegen.
Ist Titanium Steel dasselbe wie Titan?
Nein. Titan hat eigene Normbezeichnungen wie ASTM F136 oder ISO 5832-3. „Titanium Steel“ gehört zu keiner davon. Ohne eine Werkstoffnummer solltest du ein so beschriebenes Stück als Stahl behandeln.
Was sagt „Stainless Steel“ über einen Ring aus?
Nur die Werkstofffamilie, nicht die Sorte. „Stainless Steel“ ist die englische Entsprechung von Edelstahl. Eine Werkstoffnummer ist eine Auskunft, das Wort Edelstahl allein ist keine.
Ist Surgical Steel eine Werkstoffangabe?
Nein. Surgical Steel ist ein Sammelbegriff, die deutsche Übersetzung ebenso. Laut der Association of Professional Piercers steckt dahinter eine Vielzahl von Legierungen, von denen nur wenige bestimmte Sorten als biokompatibel nachgewiesen sind.
Gründer von ByLamari
Malik hat ByLamari 2025 gegründet und kümmert sich selbst um die Qualitätsprüfung der Kollektion. Am eigenen Marktstand spricht er direkt mit Kundinnen, viele ihrer Fragen werden zu Themen in diesem Ratgeber. Wir verkaufen Schmuck aus Edelstahl, die goldfarbenen Stücke PVD-vergoldet, und schreiben hier auf, was wir zu unseren eigenen Stücken belegen können und was nicht. Wo uns Angaben fehlen, sagen wir das. Mehr über Malik
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ByLamari
Vergoldeter Edelstahl, ohne englische Nebelkerzen
Wir nennen auf jeder Produktseite dasselbe Material und erfinden keine Begriffe dazu. Was uns noch fehlt, die Schichtdicke, steht oben offen im Text.
- Vergoldeter Edelstahl, bei 21 Ringen als PVD ausgewiesen
- Offen gearbeitete Ringe, in der Weite verstellbar
- Dieselbe Materialangabe auf allen 108 Produktseiten